Der lange Atem
von Manuel Schmitt // 28.09.2019 16:43 // 12

Kreativ tätig zu sein, und damit auch sein Geld zu verdienen, ist für viele ein angestrebtes Ideal. Wie schwer das ist, bemerkt man meist erst nach einigen Jahren, wenn man unsicher von einem Projekt ins nächste stolpert und jedesmal erneut auf den großen Erfolg hofft.

kreative Berufe

Wer sich nach der Schule entscheidet, einen kreativen Beruf zu ergreifen, wird sich schnell in einer faszinierenden Umgebung wiederfinden, die sich schnell verändert, und in der viele Menschen eine Unmenge von Werken produzieren. So war es zumindest bei mir, als ich auf der Kunsthochschule für Medien in Köln mein Studium begann.

Ich selbst war einer derjenigen, die sich kopfüber in Projekte stürzten, und teilweise sogar ohne Absegnung oder Betreuung Filme gedreht, Computerspiele programmiert und Webseiten gestaltet haben. Und um mich herum waren andere StudentInnen, die allesamt emsig an der Umsetzung ihrer kreativen Visionen arbeiteten, es entstand ein reger Austausch.

Die Regierungsmaßnahme

Mein Diplomfilm 'die Regierungsmaßnahme' war ein distopischer Science-Fiction Kurzfilm.

Wenn ich heute auf meine Kommilitonen gucke, hat sich das Bild drastisch verändert. Von den jungen Filmemachern, Medien-Künstlern und Animatoren sind nur noch wenige übrig geblieben. Die meisten haben inzwischen Familien, sind bei mal größeren, mal kleineren Firmen angestellt und im besten Falle arbeiten sie immerhin noch im Bereich 'Medien'.

zwei Arten, kreativ zu sein

Kreative Arbeit ist nicht gleich kreativer Arbeit. Man muss unterscheiden zwischen der kreativen Auftragsarbeit (Industriefilm, Webdesign, Motiondesign) und einem echten künstlerischen Werk.

Während man bei ersterem seine kreative Energie für die Umsetzung eines fremdbestimmten Planzieles einsetzt, wird bei einem künstlerischem Werk vorrangig die eigene Vision umgesetzt. Zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen mit dementsprechend unterschiedlichen Ergebnissen.

Ich selbst arbeite immer wieder für solche fremdbestimmten Planziele – wenn ich eine Webseite für einen Kunden designe, wenn ich Animationen für eine Werbung oder einen Industriefilm erstelle. Selbst wenn ich als Regisseur Projekte wie #deineWahl oder #yourMSC betreue, muss ich meine kreativen Entscheidungen so fällen, dass die Ziele, die von Geldgebern im Vorfeld festgelegt wurden, möglichst gut erreicht werden. In Künstlerkreisen unterscheidet man demnach zwischen Auftragsarbeiten und eigenen Projekten.

SgtRumpel Manuel Schmitt Regisseur

Als Regisseur darf ich an Projekten arbeiten, die trotz 'Auftragsarbeit' hochinteressant sein können.

wenn der Erfolg ausbleibt

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass die meisten der kreativ Arbeitenden – wenn sie die Möglichkeit hätten – lieber an eigenen Projekten arbeiten würden. Das Problem ist, dass diese nur selten rentabel sind. Wer kreativ arbeitet, ist meist auf der Suche nach dem 'erfolgreichen Projekt', das eine brotlose Kunst zu einer bezahlten, kreativen Arbeit macht, und für das man sich trotzdem nicht vollends verbiegen muss.

Wenn der Erfolg ausbleibt, werden aus ambitionierten Jungkünstlern und Medienschaffenden plötzlich Angestellte und Dienstleister. Mit einem Mal sind Kinder da, man will Sicherheit und Stabilität. Das Ganze ist ein schleichender Prozess, angetrieben von Notwendigkeit und Vernunftsentscheidungen.

Das klingt jetzt schlimmer, als es ist. Viele meiner ehemaligen Kommilitonen sind glücklich in ihrem Leben und manchmal frage ich mich, ob ihre Entscheidung, eine Anstellung in einem großen Unternehmen angenommen zu haben, nicht auch für mich richtig wäre – mehr als einmal habe ich selbst mit dem Gedanken gespielt.

der lange Atem

Doch irgendetwas hat mich immer davon abgehalten. Ich habe natürlich auch für Unternehmen Aufträge bearbeitet, sei es als Animator, Programmierer oder Regisseur. Aber ich habe mich immer geweigert, meine künstlerische Arbeit als Hobby zu sehen, dem ich hin und wieder mal für mein eigenes Seelenheil fröne.

Der Trick ist es, einen langen Atem zu besitzen und sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Selbst wenn es Jahre dauert, weiter an seiner eigenen Vision zu arbeiten. Sich immer wieder von Neuem selbst herausfordern, sich verbessern und in seiner technischen und künstlerischen Entwicklung voranzutreiben. Und vor allem, sich nicht von mangelndem Erfolg beirren lassen.

Nach der Hochschule habe ich mich lange Zeit treiben lassen und eher opportunistisch hier und dort eigene Projekte durchgeführt. Das hing auch damit zusammen, dass ich nach meinem Studium bei Weitem noch nicht ausgelernt hatte, die Programmierung habe ich zum Beispiel erst danach erlernt. In 2013, fünf Jahre nach meinem Diplom, habe ich mit Alendia schließlich die konstante Arbeit an einem eigenen Projekt wieder aufgenommen.

Dank der Community habe ich die Hörbücher nicht alleine für mich erstellt, und auch wenn Alendia nicht der finanzielle Durchbruch ist, der es mir ermöglichen würde, davon zu leben, so ist es doch für mich als Kreativer eines meiner wichtigsten Projekte. Denn es hat mir ermöglicht, einen langen Atem zu entwickeln - den muss man nämlich erlernen. Nicht aufzugeben. Weiter an mir zu arbeiten und meine kreative Arbeit zu fokussieren.

Fabelbaum

Dieses Symbol wird in der Zukunft äußerst wichtig für mein kreatives Schaffen werden...

Neue Wege

Alendia wird auch weiterhin bleiben. Ich schreibe an der ersten Geschichte aus der zweiten Staffel. Ich habe mit meiner eigenen Sprecherbox bessere Produktionsbedingungen geschaffen. Außerdem hat mich Alendia dazu animiert, generell mehr zu schreiben. Die letzten zwei Monate habe ich also an einer neuen Umgebung gewerkelt, die meine Arbeit an Hörbüchern weiter professionalisieren soll. Es ist ein neues Projekt entstanden, welches in den nächsten Tagen veröffentlicht wird.

Seid also gespannt, denn da kommt Einiges auf Euch zu!

Titelbild von Free-Photos auf Pixabay

Kommentare
Sa
Sabi schrieb am 28.09.2019:
Neues Projekt??? Ich kanns kaum abwarten!

Sehr gut, wie Du mit diesem Artikel mal einen realistischen Einblick gibst. Kreativ arbeiten wirkt bei manchen immer, als wäre es denen so zugeflogen. Und umso besser, dass Du dranbleibst!
Sg
SgtRumpel antwortete am 28.09.2019:
Yess! Und ich glaube, Du wirst es mögen :D
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Cr
CreaFea schrieb am 28.09.2019:
Ich hatte es schon geahnt und bin so gespannt! :D
Man entwickelt sich doch eben weiter, wenn auch manchmal furchtbar langsam. Aber man lernt und wächst mit seinen Projekten!

Ich freue mich auf das, was noch kommen wird, und hoffe sehr, dass mir auch nie dieser lange Atem ausgehen wird.
Sg
SgtRumpel antwortete am 29.09.2019:
Tief Luft holen! :D Du stehst ja noch recht am Anfang mit Deinem Projekt. Vor allem traust Du Dich da einiges - einen Roman habe ich mich noch nicht getraut :D Aber ich bin gespannt!
Cr
CreaFea antwortete am 29.09.2019:
Kurzgeschichten werden bei mir immer zu Chroniken der Unendlichkeit, da schreibe ich lieber direkt etwas Längeres und lagere dann in Nebenkapitel aus, die ich dann als Comics umsetze.
Ich denke, damit habe ich mir den besten Kompromiss geschaffen. :D
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Mu
Mumskey schrieb am 29.09.2019:
Liebes Rumpelchen :)

Es ist sehr bewundernswert, wie Du deine kreativen Ziele verfolgst und gleichzeitig "vernunftbegabt" handelst, indem natürlich die finanzielle Seite des Lebens im Blick hast. Dieser "lange Atem" von dem Du sprichst, nennt man in der Psychologie "die Zeitdauer, die eine handelnde Person damit verbringt, einmal gesetzte Ziele zu erreichen.". Anstrengung, Ausdauer und Ausrichtung sind die drei Hauptindikatoren für Motivation.
Aber in der heutigen Zeit findet man das immer weniger. Die sog. Milleniens, also Kinder, die sich nicht mehr anstrengen mussten (und müssen), weil sie sofort alles von ihren Eltern bekommen, sind oft nicht mehr in der Lage, zu warten, weil ihre Bedürfnisse sofort befriedigt wurden. Dadurch haben sie eine sehr niedrige Frustrationstoleranz und scheitern in vielen Bereichen. - Natürlich gibt es Ausnahmen!
Deswegen finde ich das so klasse, dass Du ein wirkliches Vorbild für viele junge - und auch ältere - Menschen bist und ihnen vorlebst, wie man diesen Spagat zwischen dem realen Leben, indem man gezwungen ist, Geld zu verdienen, und dem Ziel- oder Wunschleben, welches man gerne führen würde, handeln kann und dabei seinem Ziel Stück für Stück näher kommt.
Mach weiter so, Du bewirkst so viel Gutes !

Herzliche Grüße Mumskey
Sg
SgtRumpel antwortete am 30.09.2019:
Ich glaube, das wirkt nur so, weil eine bestimmte Gruppe Jugendlicher lauter geworden ist. Tatsächlich sieht man aber recht viel Durchhaltevermögen in den 'Millenials', finde ich: siehe die Fridays-for-Future Bewegung. Trotzdem hast Du Recht, dass es ebenso auch viele Wohlstandskinder gibt, die dieses sich-durch-beissen nicht wirklich gelernt haben. Eine niedrige Furstrationstoleranz ist etwas, was eine ganze Gesellschaft lahm legen kann.
Mu
Mumskey antwortete am 01.10.2019:
Die Frieday-for-Future-Bewegung ist ein Kollektiv ! Das persönliche Durchhaltevermögen ist etwas anderes, weil man da alleine für sich auf eine lange Durststrecke durchhält, die auch viele Hindernisse bereithält. In einem Kollektiv ist es anders, weil man da auch durch die Masse, die Emotionen schürt, mitgezogen wird. Da sind Welten dazwischen !
Mu
Mumskey antwortete am 01.10.2019:
In einem Kollektiv wird man auch von der Masse getragen. Wenn etwas schiefgeht, kommt es zur Verantwortungsdiffusion, weil meist kein (alleiniger) Verantwortlicher gefunden wird. Und wenn, wird sie auf viele Köpfe verteilt. Das ist genau entgegengesetzt von dem, der alleine für sich an einem Ziel arbeitet und auch alleine die Verantwortung für sein Handeln trägt - der nicht in einer großen Welle mitschwimmen kann. Wenn die Welle abgeebbt ist, steht man oft ohne Ziel da und geht unter,weil keiner mehr da ist, bei dem man mitlaufen kann.
Sg
SgtRumpel antwortete am 01.10.2019:
Stimmt, da muss ich Dir recht geben. Im Kollektiv ist es einfacher, Begeisterung wird da gegenseitig angefacht. In jedem Falle nehme ich Deine Komplimente an! :D
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Sa
Sarah schrieb am 30.09.2019:
Ich bewundere Menschen wie dich immer, die den Mut und das Durchhaltevermögen haben, das Kreative zum Beruf zu machen. Ich hatte dafür zu viel Angst und hab mich dann für die Sicherheit entschieden. Damals hatte ich damit Bauchschmerzen, heute genieße ich sie :D.
Ich bin gespannt, was Neues kommt und unternehme solange noch ein, zwei Trips nach Alendia!
Sg
SgtRumpel antwortete am 30.09.2019:
Bauchschmerzen sollte man unbedingt vermeiden, egal wie man sich entscheidet! :D Jeder muss da natürlich das richtige für sich finden! Umso besser, wenn es bei Dir die richtige Entscheidung war.
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...auf meinem Blog. Hier schreibe ich über mein kreatives Schaffen, philosophiere über das Leben und rege mich gelegentlich auch über gesellschaftliche Zustände auf.
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