AlendiaLog 02 - digitaler Vertrieb die 2te
von Manuel Schmitt // 06.10.2018 17:14 // 11

Während meines Aufenthalts auf Gran Canaria habe ich den digitalen Vertrieb der Alendia-Hörspiele neu aufgerollt, wie ich es in dem vorigen AlendiaLog angekündigt hatte. Nun ist es soweit! Alendia ist auf einem Haufen Webseiten erhältlich! Und ich habe dabei ein mulmiges Gefühl...

Brave New World

Ich habe meinen alten Drittanbieter cdbaby ersetzt und nun einen neuen Dienstleiter beauftragt, meine Hörbücher auf unzähligen Platformen anzubieten. Viele davon kenne ich nicht einmal! Neben den großen Platzhirschen wie iTunes, amazon und googleplay bin ich nun auch auf einigen Seiten vertreten, an die ich zwar nie gedacht hätte, aber auf denen der Vertrieb durchaus Sinn macht: buecher.de, Thalia, Hugendubel.

Einige dieser Anbieter habe ich ausgewählt und auch auf der Alendia-Webseite verlinkt. Wenn ihr einen anderen Dienst nutzt, dann sucht einfach mal nach Alendia, denn es könnte gut sein, dass ihr auch dort fündig werdet.

Alendia bei iTunes

ein mulmiges Gefühl bleibt

Das mulmige Gefühl ist meinem Perfektionismus und einem unangenehmen Eindruck des Kontrollverlustes zu verdanken. Jede Seite präsentiert ihre Produkte auf eine Weise, die ihrer Zielgruppe angepasst ist – und nur selten ist diese Zeilgruppe auf Hörbücher abgestimmt. Das führt dazu, dass Beschreibungen falsch oder gar nicht angezeigt werden, dass Tracks statt ganzen Alben aufgelistet werden oder eine Verlinkung zu der Homepage nicht angezeigt wird. Nicht zuletzt führt es dazu, dass Preise nicht einheitlich sind, da jedes Portal eine andere Preis-Gestaltung fordert.

Ich gebe mein Werk in fremde Hände und kann Präsentation und technische Aspekte nicht beeinflussen. Auf meiner eigenen Seite geht das natürlich – ich kann das Design oder sogar die Tracks an sich neu hochladen. Auf 30+ Portalen ist solch ein Update ein komplexes Unterfangen und dadurch zeit- und kostenintensiv. Auch die Aufteilung nicht mehr in vier Tracks, sondern in zehn Dateien pro Folge ist eine Maßnahme, die ich später noch weiter begründen werde. Die Empfehlung der Spezialisten war und ist einstimmig: Du musst zu den Hörer gehen - und die befinden sich auf den großen Seiten, da ist es egal, ob Du eine eigens erstellte Webseite hast, die perfekt auf Dein Produkt abgestimmt ist. Ich muss mich diesen Mechanismen beugen, um nicht am Rande der Aufmerksamkeit zu bleiben.

Alendia auf buecher.de

Die Folgen in Alendia haben sich qualitativ weiterentwickelt und einige von Euch haben das bemerkt und freundlicherweise auch immer mal wieder auf den Social Medias lautstark angemerkt. Ich habe viel in Sachen Sounddesign und Mastering dazu gelernt und mit jeder neuen Folge kommt ein anderer Aspekt auf, der verbesserungswürdig ist. Für den Relaunch des digitalen Vertriebs habe ich Folgen eins bis sechs neu abgemischt, um sie an den Qualitätsstandard der letzten drei Folgen anzugleichen. Die Remaster sind übrigens auch schon seit einiger Zait auf www.alendia.com zu hören.

Insgesamt glaube ich jedoch, dass dies der richtige Schritt ist. Die erste Staffel neigt sich dem Ende zu und ich bin inzwischen sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die zehnte Folge, an der ich zur Zeit inhaltlich arbeite, wird den Bogen um die Staffel spannen und einen soliden ersten Zyklus inhaltlich abschließen. Trotzdem gibt es einen Aspekt des digitalen Vertriebs, der mir regelrecht Magenschmerzen bereitet:

Streaming Flatrates

Audible, Spotify, Youtube oder Netflix sind Unternehmen, die für den Nutzer dank des Preis-Leistungs Verhältnisses hochinteressant sind. Eine geringe monatliche Gebühr öffnet einem die Türen zu einem enormen Katalog an Filmen, Videos, Hörspielen und Musik. Für Hörbuch-Produzenten stellt das ein echtes Problem dar.

Laut Techbook zahlt Spotify 0,006 bis 0,0084 Dollar pro gestreamten Track, der an das Label bzw. den Artist ausgeszahlt werden. Wenn wir von dem Preis auf der Webpage ausgehen (5€ – davon gehen 50 Cents an Paypal), dann verdiene ich pro verkaufter Folge 4.50€. Um dieses Geld bei Spotify verdienen zu können, muss sich ein Hörer das Hörbuch in der kompletten Länge ungefähr 62 mal anhören.

Spotify is cancer Den Artist macht Spotify jedenfalls nicht glücklich.

Ich selbst bin Hörspiel-Fan, aber selbst meine Lieblingshörspiele habe ich vielleicht 10 mal gehört. Auf diese Weise schafft es Spotify, die Gewinne zu minimieren – und setzt damit einen aus künstlerischer Sicht fatalen Prozess in Gang: Die Qualität eines Tracks wird nurmehr durch Klickzahlen gemessen. Es ist nicht mehr möglich, unterschiedliche Qualitätsstufen zu honorieren, denn jeder Klick erwirtschaftet fast identische Cash-Flows. Stellt Euch ein Restaurant vor, das seine Gerichte nur nach Gewicht abrechnet - ganz gleich ob es ungewürzter Reis oder perfekt garniertes Kobe-Rind ist, alles hat den selben Preis. Absurd!

Ein ähnliches Prinzip findet zur Zeit dank Amazon auch bei eBooks statt. Dort wird inzwischen per gelesener Seite (Kindle machts möglich) abgerechnet. Je mehr Seiten ein Buch hat, desto mehr verdient ein Autor. Kompakte Texte, die sprachlich ausgefeilt sind und auch länger in der Erstellung brauchen, haben das Nachsehen. Das führt dazu, dass Autoren inzwischen ihre Texte aufblasen. Oder, wie im Falle Alendia, dass ich statt vier Tracks zu 12 Minuten nun mit 10 Tracks zu je 4 Minuten arbeite, damit ich wenigstens 10 x 0,0084 Dollar generieren kann. Vielleicht hätte ich das Hörbuch in 20 Tracks zerhacken sollen...

Audible und Netflix sind Unternehmen, die auch selber produzieren – das respektiere ich, auch wenn die Produktionsbudget oftmals Dumping sind. Spotify und Youtube jedoch sind echte "Verramscher" – hier wird durch werbe-Finanzierung bzw. Billig-Flatrate ein Minimum an Rückfluss generiert, der sich erst bei einem Millionenpublikum lohnt.

Fazit

Aus meiner Youtube-Zeit kenne ich die Haltung: Hey, ich bin Dein Zuschauer, ich opfere meine Zeit, sei dankbar, dass ich Dich unterstütze. Den Lesern dieses Blogs muss ich das wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Haltung natürlich falsch ist. Wer ein Projekt unterstützen will, der sollte sich von Youtube, Spotify und Ähnlichem fernhalten und idealerweise den vom Artist gewählten Eigenvertrieb wählen - im Falle Alendia wäre das www.alendia.com.

Ich habe meine Hörbücher immer günstig gehalten, da ich mir im Klaren war, dass ich als Einzel-Unternehmung nicht mit großen Produktionen mithalten kann. Die 5€ auf meiner Webpage halte ich für einen fairen Preis, die Folgen können dort angehört und heruntergeladen werden, und ich kann jederzeit bei Problemen helfen. Durch den digitalen Vertrieb erhoffe ich mir vor allem einen Zuwachs an neuen Leuten, die das Projekt oder mich als SgtRumpel noch gar nicht kennen.

Und ich bin gespannt, ob sich diese Hoffnung auch erfüllen wird...

Kommentare
Gl
Glaceix schrieb am 06.10.2018:
Das klingt ja toll - Spotify zwingt dich also quasi, das Hörbuch in kleinere Teile zu zerschneiden damit überhaupt was bei dir ankommt. Als ob jemand ein Hörbuch 150x komplett anhören würde, egal wie gut das is (wenn du deine 4 Teile beibehalten würdest pro Hörbuch).
Pro gelesener Seite abrechnen is dann wohl die konsequente Fortsetzung der "Wenn die Erörterung keine 1000 Wörter hat isses ne Note schlechter, mindestens"-Idee aus der Schule, die damals schon kompletter Schwachsinn war. Das heißt wenn ich je ein Buch schreibe, dann nicht in meiner kompakten Variante die in 600 Wörter mehr reinbringt als die meisten bei 1000 (zumindest wenn cih meinen Deutschlehrern aus der Oberstufe glauben darf), sondern mit den allseits beliebten Schachtelsätzen. Also schöne Sätze mit 8 Beistrichen die über 6 Zeilen gehen. Und den dann 3x in verschiedenen Varianten wiederholen damit mans auch sicher versteht und ganz zufällig mehr Seiten dabei rumkommen. Vor allem Horoskopbücher werden da ja belohnt, die haben ja grundsätzlich eine Aussage mit 4 Wörtern auf 3 Seiten ausgedehnt um wichtiger zu wirken...
Sg
SgtRumpel antwortete am 07.10.2018:
Ja, diese Wort-Angaben kenne ich auch noch :D Wenn ein Schüler es schafft, in einem kürzeren Text trotzdem alle Informationen einzubringen, dann sollte das eigentlich auch zählen :P
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Li
Lisa Bell schrieb am 06.10.2018:
Wieso rechnet man Hörbücher nicht anders ab? Ist doch ein völliges anderes Medium als Musik-Tracks. Versteh Mal einer den Online-Handel. Klingt kompliziert. Drücke trotzdem die Daumen, dass es so klappt, wie du dir das vorstellst.
Sg
SgtRumpel antwortete am 07.10.2018:
Ich denke das liegt daran, dass diese Seiten zunächst erstmal alle auf Musik ausgelegt werden. Bei cdbaby gab es am Anfang nur die Kategorie SPOKEN WORD, inzwischen wurde da auch Differenzierungen eingetragen. So ist es aber mit vielen Seiten. Und letztendlich fügt man nur eine neue Kategorie hinzu, guckt aber nicht, inwiefern sich eine solche Kategorie von Konsumverhalten unterscheidet. Dadurch, dass Hörbücher im Vergleich mit Musik eine Nische ist, lohnt sich da ein extra Aufwand nicht.
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Sn
Sneezemeat schrieb am 07.10.2018:
Als aktiver Spotify Nutzer würde ich mal gerne meinen Standpunkt erklären. Als Student kann man sich ja leider nicht immer jedes Album etc leisten und da ist es natürlich günstiger 5€ im Monat zu zahlen und (fast) alles auf einen Schlag zu bekommen. Ich habe da immer die Einstellung, dass ich mir die meisten Sachen die ich Höre so oder so nicht kaufen würde (und könnte), dann kann ich die Künstler wenigstens ein wenig unterstützen. Und wenn es mir dann gefällt, ich mal die Kohle habe und die Künstler wirklich unterstützen will, kauf ich mir auch die ein oder andere Platte. Meistens läuft es dann darauf hinaus, dass ich diese zu Hause höre und unterwegs dann doch wieder auf Spotify wechsle.
Sg
SgtRumpel antwortete am 07.10.2018:
Ich kann den Ansatz durchaus verstehen. Es ist einfach, günstig und bequem. Man läuft jedoch Gefahr, dass Spotify zur Gewohnheit wird und man irgendwann nicht mehr darüber nachdenkt, was man wie anhört. Ich habe selbst kein Spotify, sondern bin von Anfang an auf bandcamp, wo ich zwar nicht alles aus dem Mainstream abrufen kann, aber die Alben, die ich kaufe, meist direkt beim Artist erstehe. Als einzigen Streaming Dienst habe ich Netflix, allerdings wird dort eben nicht per Watchtime oder Klicks abgerechnet, sondern per Lizenz. Ein etwas faireres Modell, welches auch unterschiedliche Qualitäten berücksichtigen kann.

Alternativen zu Spotify gibt es durchaus. Man muss allerdings mit ein paar Einschränkungen leben - aber diese Einschränkungen hängen eben genau mit dem finanziellen Rückfluss an den Artist zusammen.
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Fr
Frank schrieb am 07.10.2018:
Ich bin jetzt mal ganz egoistisch und hoffe einfach, dass Du bandcamp als Vetriebsplattform treu bleibst. :-)
Sg
SgtRumpel antwortete am 07.10.2018:
Das werde ich! Die waren eigentlich immer fair - und ich mag deren Seite :) Lediglich, dass man seinen Cache in der App nicht einstellen kann, nervt :P
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Co
Cookieeule schrieb am 07.10.2018:
Viele Sachen, die Du in Deinem Artikel beschreibst kommen mir bekannt vor. Allein schafft man es oft nicht, aber die Partner wollen auch Geld mitverdienen ... und der Handel "frisst" einfach eine Menge auf. Der Kunde und der Produzent sind meist/oft die gelackmeierten (um es höflich auszudrücken). Doch man muss ja auf sich aufmerksam machen. Wobei Mund-zu-Mund-Propagande immer noch am besten funktioniert.
Die andere Seite ist die, nur wenn man zeigt/sagt was man hat, kann es gekauft werden. So nach dem Motto: "Wenn ein Huhn ein Ei gelegt hat, gackert es, als wäre es ein Planet!" ... das können die Vertriebspartner eben gut und dafür wollen sie einen Teil vom Kuchen ab.
Ich verstehen Deine Hoffnungen und Sorgen und drücke die Daumen für ein gutes Ergebnis. Vielleicht kannst Du nach einem Vierteljahr oder einem Halbjahr Resümee ziehen und uns daran teilhaben lassen - es interessiert mich echt, wie Deine Erfahrungen dann sind.
Die Preisgestaltung der verschiedenen Plattformen ist schon interessant ... da kann man teilweise nur den Kopf schütteln. Ich bemerke gerade, dass ich mich mit Netflix, Spotify und Co. nicht auskenne - habe da vermutlich auch wenig verpasst.
Es gibt eben zwei (oder mehrere) Kategorien von Menschen: die einen brauchen/wollen es billig - die anderen möchten Qualität und zahlen auch dafür. Ich kenne beide Seiten: als Azubi kaum Geld und jetzt als Verdiener kann ich mir Dinge leisten, die ich früher nicht kaufen konnte. Allerdings gibt es hier noch einen weiteren Gedanken: Geld kann man sich (immer) verdienen ... mit vielen Dingen ... wenn man es nur will ... und sich für einiges nicht zu schade ist ... ist halt "unbequem" ...ich lasse das mal so im Raum stehen.
Also ich habe bisher alle Alendia-Hörspiele direkt auf alendia.com gekauft - ganz easy mit Kreditkarte. :) ...in der Hoffnung, dass der größte Teil vom Geld bei Dir bleibt. Ich bleibe auch dabei.
Freue mich auch schon auf das Staffelfinale - bin echt gespannt! Beginnt danach dann die 2. Staffel?
Viel Erfolg weiterhin!
Sg
SgtRumpel antwortete am 07.10.2018:
Dafür schonmal vielen Dank! :D Und ja, danach beginnt die zweite Staffel, allerdings werde ich noch ein wenig Zeit auf Vermarktung und zusätzlichen Produkten wie dem Buch aufbringen :)

Zu dem Anfang Deines Kommentars: Wenn Distributoren einen Teil vom Gewinn einbehalten, finde ich das in Ordnung, solange ich eben auch die Macht darüber habe, wie die Margen ausfallen. Bei Spotify hat man das leider nicht...
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Ke
Keksliz schrieb am 08.10.2018:
Ich find es schon mal super das du den Schritt gewagt hast Âlendia auch auf anderen Plattformen anzubieten um mehr Reichweite zu bekommen. Ich kann auch vollkommen verstehen das du dabei immer noch ein mulmiges Gefühl hast. Ich hoffe das alles nach deinen Vorstellungen klappt und auch das es eine schriftliche Version geben wird zu Ende des Jahres. :3
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Willkommen
...auf meinem Blog. Hier schreibe ich über mein kreatives Schaffen, philosophiere über das Leben und rege mich gelegentlich auch über gesellschaftliche Zustände auf.
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