STELLUNGNAHME ZU EINEM ARTIKEL ÜBER die LP-SZENE



Und wieder einmal haben die "großen", "erwachsenen", "traditionellen" Medien zugeschlagen. "Redakteur" Sebastian Leber vom Tagesspiegel hat über unser 2-jähriges LPT-Jubiläum geschrieben und dabei einfach mal einen Rundumschlag in die Let's Player-Szene veranstaltet. Und ja, ich weiß, dass ich diesen Text klugerweise nicht schreiben sollte, immerhin schenkt man damit Herrn Leber und seinem prätentiösen Artikel mehr Aufmerksamkeit als er verdient - aber wie es so oft mit Dingen ist, in denen mein Herzblut steckt, kann ich nicht anders.

Dabei will ich mich nicht auf das Niveau des Artikels herablassen, der vom Titel angefangen ("die neuen Schauspieler") bis zum Abschlusssatz ("Man kann es förmlich Kichern hören vor hunderttausenden Bildschirmen") eine Mischung aus effekthascherischer Fokussierung und arroganter Miesmacherei besteht. Denn das ist so einfach. Ich könnte ebenso wie Herr Leber über LPT oder meine Person ("Jetzt lacht Rumpel wie ein Irrer") auch über seinen digitalen Output herziehen, Leber macht mir das sogar recht einfach. Aber darum geht es mir nicht. Dass "Redakteure" wie er Artikel schreiben, die absichtlich provozierend sind, um endlich auch einmal Aufmerksamkeit zu ziehen, ist nichts Neues (siehe Galileo oder Raab). Trotzdem stößt mir die Art und Weise immer wieder bitter auf und ich kann nur kopfschüttelnd vor dem Bildschirm sitzen und mich über die offensichtliche Ahnungslosigkeit der Redakteure wundern. Denn alle fragen sich, warum Let's Plays auf Youtube soviel Zulauf haben, niemand kann es wirklich verstehen und alle, auch Herr Leber, glauben das "Geheimnis des Erfolges" entdeckt zu haben. Nur sind diese "Redakteure" meist nicht in der Lage, ihre eigene Position für den Zweck einer Recherche aufzugeben und bleiben dadurch distanziert, was immer schlecht ist, wenn etwas verstehen will. Sie wollen oder können sich nicht "auf unser Niveau herablassen". Das Schlüsselwort hier ist meiner Meinung nach Empathie und Leber ist ein wunderbares Beispiel für das Fehlen derselben.

Denn Let's Plays sind meiner Meinung nach oftmals genau das: eine Erfahrung, die Empathie hervorruft, eine äußerst menschliche und meiner Ansicht nach positive Fähigkeit. Wikipedia schreibt: "Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle Anderer wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder der Hilfsimpuls." Ich glaube fest daran, dass genau in dieser Wechselwirkung zwischen Let's Player und Zuschauer der Schlüssel zur Beantwortung der Frage nach dem Erfolg von LPs zu finden ist. Und genau deshalb stoßen Redakteure oftmals an ihre Grenzen, wenn sie versuchen, diese Bewegung zu verstehen.

Statt dem Prinzip von Identifikation und emotionaler Bindung, die vielleicht im sozialen Umfeld nicht im gewünschten Maße existieren, werden als Gründe für den Erfolg der LPs pubertierende Witze und Unprofessionalität angeführt. Let's Player, vor allem die großen, werden als gewiefte Unternehmer dargestellt, die eine Lücke erkannt haben und diese ausnutzen: die Langeweile der Jugend.

Und es wird immer wieder das Geld thematisiert. Als ob die Tatsache, dass man über die Werbung vor Videos Geld verdienen kann, einen Let's Player automatisch auf die andere Seite befördert. Auf die böse Seite, auf die Seite der Bosse. Diese Argumentation habe ich immer wieder gelesen.

Formulierungen wie bei Leber, der Let's Plays als augenscheinlich "Spaßveranstaltung und brotloses Hobby" tituliert, in Wirklichkeit aber ein "Big Business mit hohen Profitmöglichkeiten" darin sieht. Der Vorwuf, der hier immer wieder im Raum steht: Große Let's Player "schauspielern" ihre flapsige Art zu moderieren, sie sind "nicht wirklich ein Mensch wie Du und ich", sondern Unternehmer mit der ganz großen Kohle auf dem Konto. Und jetzt kommt das traurig-ironische an der ganzen Sache: All diese Redakteure können sich einfach nicht vorstellen, dass jemand authentisch bleiben kann, wenn er mit seiner Arbeit Geld verdient. Denn die meisten sitzen in großen Firmen als Angestellte und müssen ihre Quoten bringen. Sie verbiegen sich und ihr Weltbild Tag für Tag, damit sie Zuschauer für ihre Zeitung, Sendung oder Webpage gewinnen können - und dabei ist jedes Mittel Recht: Gezielte Desinformation genauso wie provozierende Beleidigungen bis hin zu Falschinformation. Und damit repräsentieren sie genau das Gegenteil von dem, was ich und auch zwei Let's Player, die ich gut kenne, für richtig und wichtig erachten: Authentizität bewahren, auf Augenhöhe mit der Zuschauerschaft gemeinsam etwas aufzubauen. Sich mit zunehmendem Erfolg nicht zu verändern, sondern sich Demut und Dankbarkeit zu erhalten.

Und deshalb wird es wohl weiterhin zu Unverständnis und Falschinterpretation kommen, wenn es um das Phänomen "Let's Plays" in den großen Medien geht. Das, was Herr Leber als "würdelos" und "pubertierend", als "banal" und "irritierend" bezeichnet ist eine Reaktion. Eine Reaktion auf Arroganz, auf eine verquere Sicht aufs Erwachsensein, auf selbstherrliche Wichtigtuerei und auf die bedingunglose Anbetung des Geldes. Wenn wir an Flachwitzen Spaß haben, bedeutet das noch lange nicht, dass wir nicht auch ernst sein können. Sowohl in der Liveshow als auch auf unseren Channeln findet ein objektiver Journalist übrigens beides. Wenn wir in unseren Sendungen improvisieren bedeutet das nicht, dass wir uns keine Gedanken machen. Wenn wir manchmal unprofessionell wirken heißt das nicht, dass wir darin kein Herzblut investieren. Und dass wir entgegen vieler Zeitgenossen immer freundlich und offen sind, bedeutet nicht, dass wir nicht auch zurückschießen, Herr Leber.

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